Was ein Cloud Readiness Check im Infor-LN-Umfeld wirklich umfasst
Ein Cloud Readiness Check bewertet nicht nur, ob ein bestehendes ERP-System technisch in eine Cloud-Umgebung überführt werden kann. Im Umfeld von Infor LN bzw. der Infor CloudSuite Industrial Enterprise geht es zusätzlich um Prozesse, individuelle Anpassungen, Datenbestände, Integrationen, Infrastruktur, Compliance und organisatorische Bereitschaft.
Gerade in gewachsenen ERP-Landschaften der diskreten Fertigung reicht ein allgemeiner Cloud-Check daher nicht aus. Wer mehrere Standorte, Eigenentwicklungen, Schnittstellen zu Umsystemen oder komplexe Fertigungsprozesse in ETO-, MTO- oder CTO-Szenarien abbildet, sollte die Ausgangslage strukturiert bewerten, bevor eine Migration konkret geplant wird.
Diese Fragen sollten Sie vor dem Wechsel in die Infor CloudSuite klären
Ein belastbarer Cloud Readiness Check beginnt mit den richtigen Fragen. Die folgenden Prüffelder helfen Ihnen, Ihre Ausgangslage strukturiert zu bewerten.
Bevor eine Cloud-Migration sinnvoll geplant werden kann, sollte die aktuelle Infor-LN-Landschaft vollständig erfasst werden. Dazu gehören eingesetzte Versionen, Module, Mandanten, Gesellschaften und Standorte ebenso wie vorhandene System- und Betriebsdokumentation.
Wichtige Fragen:
- Welche Infor-Version und welcher Release- bzw. Patchstand werden aktuell genutzt?
- Welche Module sind produktiv im Einsatz?
- Welche Gesellschaften, Werke, Mandanten oder Standorte sind betroffen?
- Gibt es eine aktuelle Dokumentation zu Systemarchitektur, Betrieb und Prozessnutzung?
- Ist transparent, welche Teile der Landschaft geschäftskritisch sind?
Gerade bei langjährig genutzten Infor-LN-Systemen ist die Zahl individueller Anpassungen oft ein wesentlicher Faktor für Aufwand, Risiko und Migrationsstrategie.
Wichtige Fragen:
- Welche Modifikationen und Eigenentwicklungen wurden über die Jahre aufgebaut?
- Welche davon sind heute geschäftskritisch?
- Welche Anpassungen sind historisch gewachsen, ohne noch echten Mehrwert zu liefern?
- Welche Anforderungen lassen sich künftig standardnah oder über geeignete Erweiterungskonzepte abbilden?
- Welche Anpassungen beeinflussen Upgrade-Fähigkeit, Testaufwand oder Betrieb besonders stark?
Gerade bei der Bewertung von Anpassungen lohnt sich der Blick auf den künftigen Standardprozess. Mit dem Infor Industry Process Catalog lässt sich strukturiert prüfen, welche heutigen Abläufe bereits standardnah sind, wo echte fachliche Differenzierung vorliegt und wo historisch gewachsene Sonderlösungen die Cloud-Fähigkeit unnötig erschweren.
Nicht jeder vorhandene Datenbestand muss in die neue Cloud-Umgebung übernommen werden. Ein häufiger Fehler ist, operative und historische Daten nicht sauber voneinander zu trennen.
Wichtige Fragen:
- Welche Stamm- und Bewegungsdaten liegen im System vor?
- Welche Daten werden im Tagesgeschäft tatsächlich benötigt?
- Welche Daten sind historisch und müssen nicht operativ mitgeführt werden?
- Wo bestehen Dubletten, Inkonsistenzen und Bereinigungsbedarfe?
- Wie ist die Datenqualität bei Artikeln, Stücklisten, Arbeitsplänen, Kunden, Lieferanten oder Finanzdaten?
Vor allem bei Finanz-Beleg- und Buchungsdaten müssen steuerrechtliche und regulatorische Anforderungen früh betrachtet werden. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was technisch migrierbar ist, sondern auch darum, was weiterhin verfügbar und nachvollziehbar bleiben muss.
Wichtige Fragen:
- Welche Aufbewahrungsfristen gelten für steuerlich relevante Unterlagen und Buchungsdaten?
- Welche Informationen müssen revisionssicher verfügbar bleiben?
- Welche Daten müssen produktiv in der neuen Umgebung verfügbar sein und welche nicht?
- Reicht für bestimmte historische Daten ein Archiv- oder Auskunftskonzept aus?
- Wer verantwortet die fachliche Bewertung aus Finance, Tax oder Compliance?
Eine Cloud-Migration betrifft nicht nur das ERP-System selbst. Entscheidend ist auch, wie Infor LN mit anderen Anwendungen kommuniziert und wie geschäftskritisch diese Verbindungen sind.
Wichtige Fragen:
- Welche Systeme sind an Infor LN angebunden?
- Wie erfolgt die Kommunikation heute – dateibasiert, direkt, über Middleware, API-basiert oder per Batch?
- Welche Schnittstellen sind zeitkritisch oder betriebsrelevant?
- Welche angebundenen Systeme laufen on-premises, im Rechenzentrum oder bereits in der Cloud?
- Wie gut sind Integrationen, Datenflüsse und technische Abhängigkeiten dokumentiert?
Auch wenn die Zielanwendung in der Cloud betrieben wird, bleiben Standortvernetzung, Zugriffsqualität und Stabilität ein kritischer Erfolgsfaktor – besonders in verteilten Fertigungsumgebungen.
Wichtige Fragen:
- Ist der Internetzugang in allen relevanten Standorten ausreichend dimensioniert?
- Gibt es Engpässe bei Bandbreit oder Stabilität?
- Welche Auswirkungen hätte eine cloudbasierte ERP-Nutzung auf Werke, Lager oder Außenstellen?
- Gibt es Produktionsbereiche mit besonderen Anforderungen an Verfügbarkeit oder Reaktionszeiten?
- Sind Zugriffs- und Sicherheitskonzepte auf das Zielbild abgestimmt?
Der Aufwand einer Migration hängt nicht nur von Technik und Architektur ab, sondern auch vom Umfang der aktiv betroffenen Geschäftsobjekte und Prozesse.
Wichtige Fragen:
- Wie viele aktive Kunden, Lieferanten oder weitere Handelspartner sind betroffen?
- Wie viele laufende Projekte, Aufträge oder offene Transaktionen bestehen aktuell?
- Welche Bestellungen, Lagerbestände, Fertigungsaufträge oder Finanzvorgänge müssen zum Go-live verfügbar sein?
- Welche Projekte oder Vorgänge sind abgeschlossen und nur noch historisch relevant?
- Welche Gesellschaften, Standorte oder Business Units müssen in den Scope einbezogen werden?
Häufig unterschätzt: diese Themen bremsen Cloud-Projekte früh aus
In vielen Projekten liegen die größten Risiken nicht im eigentliche Migrationsschritt, sondern in einer unvollständigen Vorbereitung.
Typische Stolpersteine:
- Versionen, Anpassungen und Schnittstellen sind nicht vollständig dokumentiert
- Operative und historische Daten werden nicht sauber getrennt
- Aufbewahrungspflichten werden zu spät fachlich bewertet
- Integrationen sind bekannt, ihre technische Kommunikation aber nicht ausreichend beschrieben
- Standortanforderungen und Netzqualität werden zu optimistisch eingeschätzt
- Verantwortlichkeiten für Daten, Prozesse und Entscheidungen sind nicht klar geregelt
Für welche Unternehmen ist ein Cloud Readiness Check besonders sinnvoll?

Ein strukturierter Cloud Readiness Check ist besonders relevant für Unternehmen, die mit einer gewachsenen Infor-LN-Landschaft arbeiten und ihre Cloud-Transformation belastbar vorbereiten wollen.
Das gilt insbesondere für:
- Diskrete Fertiger mit komplexen Prozessen in Produktion, Supply Chain und Service
- Unternehmen mit vielen Schnittstellen zu angrenzenden Systemen
- Organisation mit Eigenentwicklungen, Modifikationen oder langjährig gewachsenen Sonderlösungen
- International aufgestellte Unternehmen mit mehreren Standorten, Werken oder Gesellschaften
- Unternehmen, die aktive und historische Daten sauber voneinander trennen und Aufbewahrungspflichten berücksichtigen müssen
Häufige Fragen zum Cloud Readiness Check
Ein belastbarer Readiness Check ist keine reine IT-Aufgabe. Neben ERP- und IT-Verantwortlichen sollten in der Regel auch Fachbereiche, Prozessverantwortliche, Infrastruktur, Finance und – je nach Situation – Compliance oder externe Spezialisten eingebunden werden. Entscheidend ist, dass sowohl die technische Ausgangslage als auch Daten, Prozesse, Aufbewahrungspflichten und organisatorische Abhängigkeiten realistisch bewertet werden.
Das ist in gewachsenen ERP-Landschaften eher die Regel als die Ausnahme. Wichtig ist, diese Lücke früh sichtbar zu machen und nicht stillschweigend mit Annahmen weiterzuarbeiten. Ein Readiness Check hilft gerade dabei, fehlende Transparenz bei Versionen, Anpassungen, Datenflüssen oder Schnittstellen systematisch aufzudecken und die Dokumentation schrittweise zu vervollständigen.
Nein. Ein Cloud Readiness Check dient gerade dazu, eine fundierte Ausgangsbasis für spätere Entscheidungen zu schaffen. Unternehmen müssen zu Beginn nicht jedes Zielbild im Detail festgelegt haben. Wichtiger ist, dass Klarheit über die aktuelle Systemlandschaft, den Handlungsbedarf und kritische Abhängigkeiten entsteht.
Typische Hinweise sind eine hohe Zahl individueller Anpassungen, unklare Datenqualität, fehlende Transparenz über Integrationen, nicht geklärte Aufbewahrungspflichten oder organisatorisch ungeklärte Verantwortlichkeiten. Auch eine schwache Standortanbindung oder stark unterschiedliche Prozesse zwischen Werken und Gesellschaften können darauf hindeuten, dass vor einer eigentlichen Migration zunächst Vorprojekte sinnvoll sind.
Lösungen für Ihre Branche und Ihre Prozesse stellen wir Ihnen gerne vor. Sprechen Sie mit den Spezialisten für den Mittelstand.
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