Was ist die Construction Phase?

Die Construction Phase ist die Umsetzungsphase der Infor Migration. Auf Basis der in der Elaboration Phase definierten Sollprozesse, Anforderungen und Systemgrenzen wird das Zielsystem aufgebaut, konfiguriert und mit den notwendigen Entwicklungen, Schnittstellen und Daten versehen.

Am Ende dieser Phase steht ein System, das für den Go-live vorbereitet ist und die definierten Kernprozesse stabil unterstützt.

Was am Ende vorliegen sollte

  • Aufbau des Unternehmensmodells
  • Konfiguration der benötigten Funktionen und Pakete
  • Umsetzung von Entwicklungen
  • Aufbau und Test von Schnittstellen
  • Durchführung der Datenmigration
  • fachliche und technische Tests

Warum ist die Construction Phase so entscheidend?

Die Construction Phase ist der Punkt, an dem sich fachliche Entscheidungen im System bewähren müssen. Prozesse, die auf Papier stimmig wirken, müssen jetzt im Zusammenspiel mit Daten, Rollen, Schnittstellen und Buchungslogiken funktionieren.

In Projekten zeigt sich hier häufig, welche Themen tatsächlich sauber vorbereitet wurden und wo offene Detailfragen aus früheren Phasen nachwirken.

Das betrifft vor allem:

  • Schnittstellen, deren fachliche Logik detaillierter ausfällt als zunächst angenommen
  • Datenstrukturen, die im Zielsystem anders geführt werden müssen
  • End-to-End-Prozesse, die erst im Test ihre Schwächen zeigen
  • Anforderungen, die fachlich gewünscht sind, aber für den Go-live nicht kritisch sind

Gerade deshalb braucht diese Phase klare Prioritäten. Für den Projektverlauf ist entscheidend, früh festzulegen, was zum Go-live stabil funktionieren muss und welche Themen bewusst in eine spätere Optimierungsphase verschoben werden können.

Welche Themen werden in der Construction Phase umgesetzt?

Unternehmensmodell und Systemgrundlage

Zu Beginn der Construction Phase wird das Zielsystem in seiner Grundstruktur aufgebaut. Dazu gehört vor allem das Unternehmensmodell: Welche Firmen werden im System geführt? Welche Einheiten bilden Standorte, Werke oder organisatorische Verantwortlichkeiten ab? Welche Pakete und Funktionen werden tatsächlich benötigt?

Diese Festlegungen sind für die weitere Umsetzung zentral, weil darauf Prozesse, Stammdaten, Berechtigungen und spätere Testabläufe aufbauen.

Konfiguration der Sollprozesse

Im nächsten Schritt werden die definierten Sollprozesse im System konfiguriert. Dabei wird das Zielbild aus der Elaboration Phase so im System abgebildet, dass die vorgesehenen Abläufe unter den realen Rahmenbedingungen des Kunden funktionieren.

Das betrifft zum Beispiel:

  • Prozessparameter und Steuerungslogiken
  • relevante LN-Pakete und Funktionen
  • organisatorische Zuordnungen
  • transaktionsbezogene Abläufe in Logistik, Fertigung und Finance

Nicht jede verfügbare Standardfunktion wird dabei automatisch genutzt. In der Praxis wird das System gezielt auf die Anforderungen des Projekts zugeschnitten.

Entwicklungen und Schnittstellen

Wo Standardfunktionen und Konfigurationen nicht ausreichen, werden in dieser Phase Erweiterungen und Schnittstellen umgesetzt. Das betrifft sowohl funktionale Lücken als auch die Anbindung bestehender Drittsysteme.

Typische Umsetzungsfelder sind:

  • kundenspezifische Entwicklungen
  • Integrationen mit PLM, CRM, MES oder weiteren Subsystemen
  • Datenflüsse zwischen ERP und angrenzenden Anwendungen
  • technische und fachliche Schnittstellenlogik

Aus Projektsicht sind Schnittstellen häufig der Bereich, der mehr Zeit bindet als ursprünglich geplant. Der Grund liegt meist weniger in der technischen Verbindung selbst, sondern in der fachlichen Abstimmung: Welche Daten werden wann übertragen, welche Systeme sind führend und wie werden Fehlerfälle behandelt?

Datenmigration in die Projektumgebung

Auch die Datenmigration wird in der Construction Phase konkret umgesetzt. Stammdaten und, je nach Migrationsstrategie, relevante Bewegungsdaten werden in die vorgesehenen Projekt- und Testumgebungen übernommen.

Dabei geht es nicht nur um den Import von Daten, sondern auch um die Frage, ob die Daten im Zielmodell korrekt funktionieren:

  • Sind die Strukturen vollständig?
  • Sind Pflichtinformationen vorhanden?
  • Lassen sich die definierten Prozesse mit den migrierten Daten sauber ausführen?
  • Müssen Daten vor der nächsten Migration bereinigt oder ergänzt werden?

In vielen Projekten werden dafür mehrere Migrationsläufe und Simulationen eingeplant.

Projektumgebungen gezielt nutzen

In komplexeren Projekten hat sich eine saubere Trennung der Projektumgebungen bewährt. Inhalte, die fachlich abgestimmt und freigegeben sind, werden schrittweise in eine stabile Golden Company übernommen. Darauf aufbauend entstehen separate Umgebungen für Training und Tests sowie für technische Entwicklung.

Diese Trennung erleichtert:

  • kontrollierte Weiterentwicklung
  • nachvollziehbare Übernahme freigegebener Inhalte
  • strukturierte Trainingsvorbereitung
  • gezielte Testdurchführung mit realitätsnahen Daten

Gerade wenn mehrere Teams parallel arbeiten, schafft diese Struktur die nötige Stabilität im Projektverlauf.

Welche Tests gehören in diese Phase?

Simulationstests prüfen, ob Konfigurationen, Entwicklungen und Prozesse im System grundsätzlich wie vorgesehen funktionieren. Sie dienen dazu, definierte Abläufe unter kontrollierten Bedingungen durchzuspielen und offene Punkte früh zu erkennen.

Dabei geht es unter anderem um:

  • korrekte Prozessschritte
  • Vollständigkeit der Daten
  • funktionierende Programmlogik
  • stimmige Ergebnisse einzelner Transaktionen

Sobald die einzelnen Bausteine stabil laufen, wird das Zusammenspiel über Prozess- und Systemgrenzen hinweg geprüft. Gerade in Infor-Projekten ist das wichtig, weil Logistikprozesse häufig direkte Auswirkungen auf Finance und Controlling haben.

Typische Prüffragen sind:

  • Lösen Geschäftsvorfälle die richtigen Folgeaktionen aus?
  • Werden Integrationsmerkmale korrekt übergeben?
  • Stimmen Buchungsschemata und Kontenzuordnungen?
  • Funktionieren Übergaben zwischen Bereichen zuverlässig?
  • Sind Werte und Herstellkosten fachlich plausibel?

In dieser Phase werden End-to-End-Prozesse unter realistischen Bedingungen geprüft – von der operativen Buchung bis zur Auswirkung im Rechnungswesen.

Je näher das Projekt an den Go-live rückt, desto wichtiger wird die Einbindung der Key User. In späteren Simulationen und im User Acceptance Test wird geprüft, ob das System die abgestimmten Prozesse im Tagesgeschäft tatsächlich tragfähig unterstützt.

Gerade an diesem Punkt zeigt sich oft, ob fachliche Entscheidungen aus früheren Phasen in der Praxis funktionieren oder ob noch Korrekturen notwendig sind.

Welche Herausforderungen zeigen sich in der Construction Phase typischerweise?

Die Construction Phase ist meist die dichteste Umsetzungsphase des Projekts. Typische Herausforderungen sind:

01

Schnittstellen brauchen mehr Abstimmung als erwartet

02

Prozesse funktionieren einzeln, aber nicht durchgängig

03

Datenmigration ist mehr als ein einmaliger Import

04

Zu viele Themen sollen noch vor Go-live gelöst werden

Wie geht es nach der Construction Phase weiter?

Construction

  • System
  • Prozesse
  • Tests

Transition

  • Schulungen
  • Cutover
  • Produktivsetzung
  • Hypercare

Sobald System, Prozesse und Tests den definierten Reifegrad erreicht haben, beginnt die Transition Phase. Dort stehen Schulungen, Cutover, Produktivsetzung und Hypercare im Mittelpunkt.

FAQ zur Construction Phase

Wenn Einzelschritte funktionieren, der Ablauf über Bereichsgrenzen hinweg aber noch Brüche zeigt. Typische Hinweise sind unklare Übergaben, fehlerhafte Integrationsbuchungen, unvollständige Stammdaten oder manuelle Workarounds im Test.

Alle Funktionen und Prozesse, die den operativen Ablauf direkt sichern. Dazu zählen je nach Projekt zum Beispiel Kernprozesse in Einkauf, Fertigung, Logistik, Finance sowie kritische Schnittstellen und relevante Buchungslogiken. Komfortfunktionen oder spätere Optimierungen sollten davon getrennt bewertet werden.

Weil ein einzelner Test noch nichts darüber aussagt, ob der gesamte Prozess unter realen Bedingungen stabil läuft. Erst End-to-End-Tests zeigen, ob Daten, Rollen, Folgeprozesse und finanzielle Auswirkungen im Zusammenspiel korrekt funktionieren.

Key User sind in dieser Phase nicht nur Tester. Sie helfen dabei, fachliche Abläufe im System zu validieren, offene Punkte zu priorisieren und die spätere Nutzbarkeit aus operativer Sicht einzuordnen. Gerade vor dem Go-live ist diese Rückmeldung entscheidend.

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